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Entartete Materie ! "
Anlaß dieses Schreibens war für mich, dass einige Zeitungsberichte
nur unvollständige Darstellungen machten.
Sicherlich haben Sie schon viel über entartete Materie gelesen oder
gehört. Dass ich diesen Begriff in Anführungsstriche gesetzt
habe, hat eine besondere Bedeutung. Einmal gibt es die Ihnen wohlbekannte
Entartete Materie in Form von Neutronensternen und den sogenannten "Schwarzen
Löchern". Sodann gibt es noch die Entartete Materie eines Bose-Einstein-Kondensates.
Grundsätzlich handelt es sich hierbei um gänzlich unterschiedliche
Materiezustände. Dennoch ähneln sie sich sehr. Der größte
Unterschied liegt jedoch in ihren Dichten!
Wir wollen nun die Unterschiede im einzelnen näher betrachten. Dazu
ist es jedoch notwendig, mehr über ihre Entstehung zu erfahren.
Bei Neutronensternen und Schwarzen Löchern wissen wir, dass dieser
Zustand der Materie durch die enormen Druckkräfte der Materie, ausgelöst
durch die Gravitation, erzeugt wird und ganz sicher gibt es einen kurzen
Augenblick, in dem diese Materie einem Bose-Einstein-Kondensat fast völlig
gleicht. Doch es dürfte sich dabei nur um einige billionstel- bis
milliardstel Sekunden handeln, dann ist durch den Kollaps der genannten
Sternenreste dieser Zustand schon überschritten. Hierbei wird die
Materiedichte ganz entscheidend beeinflußt. Der dabei entstehende
Druck ist so groß, das die Dichte zwischen mal 1012 kg/dm3 bis mal
1019 kg/dm3 betragen kann.
Hierbei sind die Elektronen fest an Ihre Atomkerne gepreßt und ähneln
schein-bar einem Bose-Einstein-Kondensat. Nur hier bewirkt die noch viel
größere Dichte, dass nicht nur die Elektronen an die Kerne
gepreßt, sondern sie selber und auch die Atomkerne zusammengepreßt
werden. Hierdurch erhöht sich die Dichte gegenüber einem Bose-Einstein-Kondensat
ganz erheblich, denn diese ist nur um den Faktor 1000mal dichter als bei
normalem Gas.
Bei den hohen Dichten werden metallische Eigenschaften erreicht, wodurch
die Materie sehr starke magnetische Kräfte entwickelt. Diese magnetischen
Kräfte bewirken zusammen mit den sehr schnellen Rotationen dieser
Objekte, unge-mein starke elektrische Felder. Diese Felder wiederum laden
die Umgebung dieser Objekte ungemein stark elektrostatisch auf. Dadurch
kann Rotationsimpuls abgegeben werden und so verlangsamen solche Objekte
relativ rasch ihre Rota-tionsgeschwindigkeiten.
In anderen Worten: Die Materie, die sich in Akkretionsscheiben um solche
Ob-jekte sammeln, ist sehr stark elektrostatisch aufgeladen, was dazu
führt, dass an den Polen dieser Scheiben sogenannte Materiejets abgestrahlt
werden. Dabei werden Jetgeschwindigkeiten erreicht, die manchmal den Eindruck
erwecken, schneller als das Licht zu sein. Richtig ist mit Sicherheit,
dass die Jetströme 10 - 15% der Lichtgeschwindigkeit erreichen können,
wogegen die überlichtschnellen Effekte auf interne Stoßvorgänge
beruhen. Eigengeschwindigkeit plus Emissionsgeschwindigkeit mit annähernd
Lichtgeschwindigkeit ergibt dann scheinbar Überlichtgeschwindigkeit.
Richtiggenommen handelt es sich hierbei um Relativgeschwindigkeiten.
Dies ist ganz ähnlich wie bei einem Objekt, welches mit fast Lichtgeschwindigkeit
auf uns zu kommt. Fliegen wir diesem Objekt mit 20.000 km/s entgegen,
so ist das Objekt scheinbar schneller als das Licht. Sie sehen, auch hierbei
handelt es sich um eine Relativgeschwindigkeit, zusammengesetzt aus den
beiden Eigengeschwindigkeiten, was durch das Additionstheorem verursacht
wird. Tatsache ist nämlich, dass man jede Bewegung relativ zu ihrer
Umgebung betrachten muss, sonst bekommt man falsche Ergebnisse und gerade
die Rot- und Blau-verschiebungen von schnellen Objekten im Weltall, unterliegen
alle diesen Bedingungen, weil niemand sagen kann, was sich wirklich wie
schnell bewegt. Daher können Aussagen hierzu stets nur relativ zu
Objekten der näheren Umgebung gemacht werden, weil diese sich überwiegend
in gleicher Weise und Richtung bewegen.
Inzwischen sind wir etwas vom Thema abgekommen, doch nur so läßt
sich ein vollständiges Bild unseres Universums erstellen.
Zur Erinnerung: Wir hatten also extreme Dichten, bei denen die Elektronen
und Atomkerne selber zusammengedrückt wurden. Nur so lassen sich
die großen Dichten der Entarteten Materie erklären.
Ganz anders liegt der Fall nun bei den Bose-Einstein-Kondensaten! Hierbei
wird die hohe Dichte durch Abkühlung bis nahe an den absoluten Nullpunkt
erreicht (-273,15OC = 0O Kelvin). Dabei kondensieren ganz offensichtlich
die Elektronen und liegen nun als Flüssigkeit oder gar Eis an den
Kernoberflächen an. Dies scheint merkwürdig zu sein, doch nehmen
wir die Elektronen als kugelförmige Objekte an, so wären sie
allesamt Schwarze Löcher mit Dichten von mal 1019 kg/dm3 . Dem ist
wohl nicht so, denn wenn die Elektronen durch Ab-kühlung kondensieren,
nimmt das Volumen des jeweiligen Atoms um etwa den Faktor 1000 ab. Dies
entspricht aber genau der Verflüssigung von Gasen durch Abkühlung!
Wie ich schon früher beschrieben habe, muss es sich daher bei den
Elektronen um gasförmige Objekte handeln. Um aber die notwendigen
Tieftemperaturen von wenigen millionstel Graden oberhalb des absoluten
Nullpunkts zu erreichen, sind einige Klimmzüge erforderlich. Bis
auf 2 - 3 Kelvin läßt sich Materie durch verdampfendes, flüssiges
Helium abkühlen, doch noch mehr kühlen kann man auf konventionelle
Weise nicht. Man bedient sich deshalb eines Tricks.
Bestimmte angeregte Energieniveaus der Elektronen in der Materie lassen
sich durch schwaches Laserlicht dazu verleiten, einen Lichtimpuls abzugeben,
wo-durch das jeweilige Elektron auf ein niedrigeres Niveau absinkt. Weniger
Bewegungsenergie bedeutet aber gleichzeitig auch eine Abkühlung.
Werden in gleicher Weise ganz viele Elektronen in der Materie beeinflußt,
so kühlt sie noch stärker ab. So erreicht man Temperaturen,
die sich nur noch ganz gering oberhalb des absoluten Nullpunktes befinden.
Dass dabei nicht der absolute Nullpunkt erreicht werden kann, liegt daran,
dass nicht alle Elektronen in der Materie auf diese Weise beeinflußt
werden können. Außerdem haben die Kerne immer noch eine sogenannte
Nullpunktenergie und schwingen noch ein klein wenig.
Sind also eine große Anzahl Elektronen kondensiert und liegen an
ihren Atom-kernen an, bilden sie ein Bose-Einstein-Kondensat, welches
sich durch ganz merkwürdige Eigenschaften auszeichnet. Plötzlich
verhalten sich alle Kerne wie eine superfluide Flüssigkeit und nehmen
das Verhalten eines einzigen Atomes an. Helium ist schon in normalem Zustand
durch Metallgefäße kaum zu halten, weil es langsam durch die
Wände diffundiert. Doch so abgekühlt, will es sogar aus einem
Behälter über die senkrechte Umrandung klettern. Das was wir
als Kapillarwirkung von Flüssigkeiten her kennen, ist dann offensichtlich
so stark, dass es senkrechte Wände überwinden kann.
Dass dabei bei verschiedenen Materialien auch noch Supraleitung auftritt,
ist schon lange bekannt. Erstaunlich ist hingegen, dass dieser Zustand
sowohl durch Abkühlung, wie auch durch enormen Druck erzeugt werden
kann.
Aber ist dies wirklich so erstaunlich? Machen wir dies nicht ständig,
indem wir Gase verflüssigen? Hierbei gibt es ebenfalls die gleichen
Verfahren. Wir können Gase verflüssigen, indem wir sie stark
abkühlen oder komprimieren. So gesehen scheint es gar nichts so Besonderes
zu sein, sondern nur die Rahmenbedingun-gen hierfür herzustellen,
ist enorm schwieriger.
Denken wir nun an die Neutronensterne und Schwarzen Löcher zurück,
so er-scheinen uns diese nun gar nicht mehr so extrem und wir können
ihre elektrischen- und magnetischen Eigenschaften viel besser verstehen.
Ebenso wissen wir nun, was bei so geringer Temperatur geschieht. Neuerdings
äußerten Wissenschaftler sogar den Verdacht, dass in Schwarzen
Löchern der Druck so hoch ist, dass selbst Atomkerne zusammengedrückt
werden könnten und sozusagen Quarksterne daraus werden können.
Tatsächlich wissen wir, dass selbst das In-nere der Atomkerne weiträumig
leer sein muss und somit sind auch sie komprimierbar.
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