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Die
Gezeitenwirkung oder die Induktion?
©
Michael Köchling
Die
Gezeiten sind uns als Ebbe und Flut seit altersher bekannt. Und auch,
dass die Kraft dazu vom Mond, unserem Erdbegleiter ausgeht. Es wirkt
sich dabei die Gravitationskraft der Mondmasse auf unsere Erde aus.
Da jedoch die Ozeane flüssig sind, veranlaßt diese Kraft,
dass das Wasser wie in einer Badewanne hin- und herschwappt. Damit dies
geschehen kann, kommen noch zwei weitere Kräfte hinzu. Es ist die
Gravitation der Erde, sowie ihre Eigenrotation. Die Schwerkraft der
Erde bewirkt, dass das Wasser an ihrer Oberfläche festgehalten
wird. Die Eigenrotation ist mit nur 24h und 49` gegenüber der Mondbewegung
um die Erde viel schneller als ein kompletter synodischer Mondumlauf
von 29d 12h 44`und 2,9´´. Dadurch dreht sich die Erde viel
schneller unter ihm hindurch, was bewirkt, dass das mitrotierende Wasser
der Ozeane der täglichen Mondbewegung vorauseilt. Andererseits
wird das Wasser durch die Schwerkraft des Mondes angezogen und so fließt
es ihm auf der auf ihn zudrehenden Erdseite schneller entgegen, wogegen
es auf der vorauseilenden Erdseite abgebremst wird. Daraus hat sich
ergeben, dass sich ein Wechsel von Ebbe und Flut, etwa alle 6h eingestellt
hat. Insgesamt eilt die Wassermasse mit ihrer Flut dem Mond jedoch voraus.
Hierdurch soll nach einer bestehenden Theorie, eine beschleunigende
Kraft auf den Mond wirken, welche Gezeitenkraft genannt wird.
Nun stelle man sich vor: Die mittlere Höhe der Flut beträgt
zirka 12 m. Aus der mittleren Entfernung des Mondes von 384.000 km betrachtet,
ergibt sich daraus ein Winkel von nur 0,0000563 Bogensekunden. Auch
wenn die Flutmasse riesig ist, so kann sie unter diesem winzigen Winkel
kaum eine nennenswerte Kraft auf den Mond ausüben, zumal sich stets
auf der gegenüberliegenden Erdseite, ein fast gleichgroßer
Flutberg befindet, der im Mittel nur 2/3 Erddurchmesser weiter vom Mond
entfernt ist.

Abb.:
Die Anziehungskraft des durch die schnellere Erdrotation vorlaufenden
Flutberges, soll den Mond beschleunigen. Im Zentrum des weißen
Kreises befindet sich der Punkt der Ekliptik, um den sich das System
Erde - Mond dreht.
An dieser Stelle gebe ich zu bedenken, dass es sich bei dieser Theorie
der Gezeitenkraft, um ein wenig gesichertes Denkmodell handelt.
Kommen wir nun zum wichtigsten Punkt im Bezugssystem Erde - Mond:
Der Mond bewegt sich mit der Erde um den gemeinsamen Schwerpunkt. Dies
bedeutet bei der geringen Masse des Mondes, dass sich dieser gemeinsame
Schwerpunkt noch innerhalb unserer Erde, in etwa 4600 km vom Erdmittelpunkt
entfernt, befindet. Der nächste Fakt ist, dass sich der Mond in
einem Zustand des Gleichgewichts bewegt. Er bewegt sich mit einer Umlaufgeschwindigkeit
um den gemeinsamen Schwerpunkt, was jeweils gleich große Kräfte
von Gravitation und Fliehkraft voraussetzt. In einem solchen System
herrscht gewöhnlich Schwerelosigkeit. Dabei wird die Mondschwerkraft
in diesem Fall unberücksichtigt gelassen. An dieser Stelle wenden
die Wissenschaftler immer ein: Die Schwerkraft wirkt aber entsprechend
der größeren Entfernung auf der Mondrückseite geringer
und auf der Vorderseite stärker. Dies ist vollkommen richtig, doch
im Verhältnis zur Erde dreht sich der Mond überhaupt nicht
und nur dann könnte dies von Bedeutung sein.
Der Grund ist nämlich, dass der Mond eine gebundene Rotation aufweist.
Dadurch wendet er der Erde immer die gleiche Seite seiner Oberfläche
zu. Seine Rotationsperioden entsprechen damit genau seinen Umlaufperioden,
wodurch er selber keinen Rotationsimpuls abgeben kann und die unterschiedlichen
Kräfte auf der Vorder- und Rückseite unterliegen keiner Ortsveränderung.
Und weil es auf dem Mond weder eine Atmosphäre, noch Ozeane gibt,
kann hier keine Gezeitenkraft wirken, andernfalls verließe er
seine Bahn.
(Schon
M. Ja. Marow verwies in "Die Planeten des Sonnensystems, 1987 BSB
B. G. Teubner Verlagsgesellschaft, Leibzig (Seite 52 Absatz 2), darauf
hin: "Im Grenzfall, wenn die Winkelgeschwindigkeit von Rotation
und Bewegung auf der Umlaufbahn praktisch gleich sind, findet ein Transport
von Drehimpuls nicht mehr statt.")
Nun,
in gewisser Weise macht er dies auch! Jährlich entfernt er sich
um etwa 3cm von der Erde. Aus meinem Bericht "Die gebundene Rotation
der Trabanten" geht hervor, dass hier eine ganz andere Kraft für
das Auseinanderstreben von Erde und Mond verantwortlich ist. Es ist
die elektromagnetische Induktion!
Das sich mit der Erde drehende Erdmagnetfeld bewirkt, dass der Mond
ständig ein wenig beschleunigt wird, wodurch er sich langsam immer
weiter entfernt. Auf die Erde bewirkt diese Kraft, dass ihre Rotationsperiode
immer langsamer wird. Vor vielen Millionen Jahren war ihre Rotationsperiode
nur 18h lang und das Jahr bestand aus etwa 485 dieser Tage und der Mond
war ihr noch viel näher. Dadurch wirkte sich die Induktion viel
stärker aus und der Mond entfernte sich schneller. Heute ist diese
Kraft bei der großen Entfernung des Mondes viel geringer und ist
kaum noch nachweisbar. Die Entfernung Erde - Mond beträgt schon
rund dreißig Erddurchmesser und der Mond hat kein richtiges Magnetfeld
mehr, sondern es gibt nur noch Reste, die von magnetisierten Erzablagerungen
stammen, welche weiträumig in ihm verteilt sind. In seiner Kruste
befinden sich ungefähr 10% Metalle. Und auch sein Metallkern von
etwa 5% bildet kein starkes Magnetfeld. Daher wurde dieser Zusammenhang
bisher nicht in betracht gezogen.
Im gleichen Buch wie oben, Seite 313f 2. Absatz, wird die Verbindung
des Jupitermagnetfeldes mit dem Trabanten Io beschrieben. Zusätzlich
sind noch Hinweise im Oktober 1999 im Sientific American Seite 41, von
den Wissenschaftlern Robert T. Pappalardo, James W. Head und Ronald
Greeley notiert worden. Sie bestätigen in "The Hidden Ocean
of Europa", dass zumindest Europa, Ganymed und Kallysto ein eigenes
Magnetfeld besitzen, welches mit dem Magnetfeld des Jupiters wechselwirkt.
Schon vor dieser Herausgabe beschrieb ich in der Weltallkunde Sommer
1999 in meinem Artikel "Korrektur zu Astro - Nachrichten",
diese Wechselwirkung mit dem Vermerk, dass sie die Hauptursache der
Trabantenerwärmung ist. Die Aufheizung durch Radioaktivität
ist dagegen auszuschließen, weil sich diese Kraft schon lange
aufgebraucht hat.
Bei dem Jupitertrabanten Europa nimmt man deshalb neuerdings einen salzigen
Ozean an, der sich unter einer nur wenige Kilometer dicken Eisdecke
befinden soll und dorthin will man eine Sonde schicken, die sich durch
das Eis bohren soll, um eventuelles Leben in diesem Ozean festzustellen,
denn Wasser ist die Grundvoraussetzung dafür.
Es gibt also schon einige Hinweise, doch wurde bisher stets die Gezeitenkraft
favorisiert. Es ist allerdings davon auszugehen, dass auch die Gezeitenkräfte
der Erde ein wenig Auswirkung auf den Mond haben können und zu
dem beschriebenen Effekt beitragen. Wie so oft, ist es nicht eine Kraft
allein die etwas bewirkt, sondern mehrere Kräfte wirken gemeinsam.
Dass es nicht die Gezeitenkraft allein sein kann, sieht man an dem Jupitertrabanten
Amalthea. Dieser Trabant ist ein vollkommen fester Klotz mit Durchmessern
von 270 x 150 km und dennoch wurden an seiner Oberfläche weit höhere
Temperaturen gemessen, als man berechnet hatte. Er befindet sich in
nur 222.000 km Entfernung vom Jupiter und ist damit nur etwa 1,6 Jupiterdurchmesser
entfernt. Damit befindet er sich in der am stärksten wirkenden
Magnetfeldzone des Jupiters. Dennoch ist die Wirkung auf ihn sehr gering,
weil er mit fast identischer Geschwindigkeit (in 11h 57´ ) den
Jupiter umrundet, wie dieser rotiert (in 9h 50´ ).
Es ist zwar nicht anzunehmen, dass sich dieses Modell schnell durchsetzen
wird, doch mit ein paar Berechnungen, läßt sich alles recht
leicht nachvollziehen. Dazu ist es nur erforderlich die magnetische
Flußdichte, sowie die verschiedenen Magnet - Umfangsgeschwindigkeiten,
abzüglich der jeweiligen Umlaufgeschwindigkeiten der Trabanten
zu berechnen. Außerdem ist noch die elektrische Feldstärke
zu berücksichtigen. Die Ergebnisse werden sicherlich überraschend
sein!
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