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Kleinplanetoiden
in Erdnähe!
Es regt sich etwas in unserem Sonnensystem! Die zwei herrlich anzuschauenden
Jahrhundertkometen Hyakutake und Hale Bopp waren nicht die Ausnahme. Etwas
muss sich in unserem Sonnensystem störend bemerkbar machen, dass
sich plötzlich so gehäuft auch Kleinplanetoiden in Richtung
Sonne auf den Weg machen. Dass sie dabei die Erdbahn kreuzen können,
ist ganz natürlich, doch was bewirkt diese Häufigkeit?
Was aber noch viel schlimmer ist, oft werden sie erst entdeckt, wenn sie
an der Erde schon vorbeigerauscht sind. Dies liegt nicht nur daran, weil
sie so klein sind (von 10m - 1000m im Durchmesser), sondern sie reflektieren
das Sonnenlicht ungemein schlecht. Manche sind schwärzer als Kohle
und reflektieren nur 2 - 5% des Sonnenlichtes. Ursache sind ihre von dunklem
Staub bedeckten Oberflächen und dieser Staub schluckt fast das gesamte
einfallende Licht.
An Abwehrmaßnahmen ist darum bei den kleineren bis mittleren Boliden
überhaupt nicht zu denken, obwohl die USA und die ehemalige Sowjetunion
jeweils ein atomares Abwehrsystem in einer Umlaufbahn stationiert haben.
Vielleicht sind aus diesem Grund die Sprengköpfe auf Ziele potenzieller
Gegner auf der Erde ausgerichtet, was aber zu bezweifeln ist. Außerdem
wäre die Sprengkraft für kilometergroße Boliden nur ausreichend,
wenn in Folge von 10 - Minutenabständen stets die gleiche Stelle
getroffen würde. Hierdurch könnte eine entsprechend große
Höhlung geschaffen werden, wodurch das jeweilige Objekt von innen
gesprengt werden könnte. Die dabei entstehenden Bruchstücke
wären zwar immer noch gefährlich und richteten einigen Schaden
auf unserer Erde an, doch die große Gefahr wäre damit beseitigt.
Bliebe allerdings noch das Problem der weltweiten radiaktiven Verseuchung
durch die Trümmerstücke. Es müßten daher Sprengköpfe
sein, die möglichst wenig Radioaktivität erzeugten.
Aber wie gesagt, wenn sie entdeckt werden, ist es schon viel zu spät,
an eine Abwehr zu denken. Unser Glück ist es allerdings, dass wir
von einer sehr dichten Atmosphäre geschützt werden. Sie läßt
die meisten Meteoroiden schon in der oberen Atmosphäre verglühen
oder gar explodieren. Objekte größer als 10m Durchmesser können
bis auf die Erdoberfläche durchschlagen, wenn sie metallisch sind.
Die meisten sind zu unserem Glück aber Gesteinsbrocken, die bis zu
Größen von 100m Durchmesser fast alle schon in der Atmosphäre
zerrissen werden, denn bei der hohen Aufprallgeschwindigkeit von mehr
als 20 km/s auf die Atmosphäre, ist diese hart wie Beton. Dies gilt
natürlich nur für den dichten Teil der Atmosphäre, welcher
sich bis in etwa 100 km Höhe erstreckt. Fast alle Meteoroide, die
wir am Nachthimmel verglühen sehen, verglühen schon in 200 -
40 km Höhe.
Ein ganz besonderes Objekt konnte ich bei einem meiner Besuche bei Herrn
Dylus im Allgäu beobachten. Dieser Meteoroid machte aerobraking.
Er tauchte flach in die obere Atmosphäre ein, um nach etwa 30 Grad
wieder in das Weltall zu verschwinden und weitere 40 Grad später
tauchte er wieder in die Atmosphäre ein und verglühte. Wie ein
flacher Stein auf einer Wasseroberfläche war er abgeprallt, wurde
dabei aber zu langsam, um der Schwerkraft der Erde entfliehen zu können.
Der wohl jüngste bekannte Einschlag eines großen Meteoriten
verursachte den Meteorkrater in Arizona. Er soll zwischen 25.000 und 40.000
Jahre alt sein. Verursacht wurde er vermutlich durch einen stark eisenhaltigen
Meteoriten. Er ist beim Aufprall fast vollständig verdampft. Das
größte gefundene Bruchstück wog 635 kg. Der Kraterdurchmesser
beträgt 800m und seine Tiefe 200m. Wegen des sehr trockenen Klimas
in der Gegend, ist der Krater noch gut erhalten und weist nur geringe
Erosionsspuren auf.
Doch wo kommen diese gefährlichen Bomben her? Sie entstammen hauptsächlich
der Oort´schen Wolke, denn im Planetoidengürtel (früher
als Asteroidengürtel bezeichnet) zwischen Mars und Jupiter konnten
unsere Erkundungssonden feststellen, dass fast keine kleinen Objekte dort
herum fliegen und die Sonden fast ungefährdet durch diesen Gürtel
hindurch fliegen konnten. Dort befinden sich daher hauptsächlich
die Kleinplanetoiden mit ihren uns bekannten Bahnen.
Anders ist es dagegen bei der Oort´schen Wolke. Über sie wissen
wir recht wenig und über die Objekte und ihre Häufigkeit darin,
haben wir nur Vermutungen. Auch sind die darin ablaufenden Vorgänge
weitgehend unbekannt. Eines weiß man allerdings inzwischen. Fast
die Hälfte aller Kleinplanetoiden hat einen Begleiter. Der Planetoid
Ida mit seinem Begleiter Dactyl war das erste gefundene Objekt dieser
Art. Ida ist eine riesige, durch Einschläge geformte Kartoffel, mit
Abmessungen von 56 x 21 km im Durchmesser. Dactyl hingegen ist fast rund
und sein Durchmesser beträgt nur 1,5 km. Entdeckt wurde der Begleiter
von Ida durch die Sonde Galileo.
Inzwischen hat man bei der Oort´schen Wolke und dem Kuiper - Gürtel
ein sehr starkes Defizit an Kometen und Planetoiden festgestellt. Auch
dort sind wohl nicht so viele Objekte vorhanden, wie ehemals angenommen
wurde. Entsprechende Berechnungen haben ergeben, dass jährlich wenigstens
12 Objekte sich in Richtung Sonne auf den Weg machen sollten. Es sind
im Schnitt aber nur 3 - 4 . Offensichtlich ist es auch dort schon weitgehend
leer. Um so verwunderlicher ist es, wenn gerade jetzt sich eine Anhäufung
mit Objekten ergibt, die sogar teils innerhalb der Mondbahn an unserer
Erde vorbeiziehen. Alles was sich außerhalb der Mondbahn an uns
vorbeibewegt ist relativ ungefährlich. Ganz anders ist es mit denen,
die sich in geringerer Distanz bewegen. Ihre Bahnen werden durch die Schwerkraft
der Erde schon nachhaltig beeinflusst. Dadurch kann es leicht passieren,
dass sie nach einigen zehn bis hunderten Jahren hier wieder auftauchen
und eventuell mit der Erde zusammenstoßen. Der bisher bekannte Asteroid
mit größter Erdnähe war der 1994 XM1 . Er kam der Erde
bis 105.000 km nahe, hatte aber nur die Abmessungen von etwa 11m ±
4m . Der Planetoid 2002 MN dagegen war ungefähr 60 - 100m groß
und kam der Erde bis auf 120.000 km nahe. Er wurde von der Sonde Linear
erst drei Tage nach seiner Erdpassage entdeckt. Und gleich noch ein weiterer
wurde kürzlich entdeckt und zog am 18./19. August 2002 in 540.000
km Entfernung vorbei. Es war 2002 NY40 und dieser hatte immerhin 450 -
1000m Durchmesser. Es war also einer jener Brocken, die uns gefährlich
werden konnten. Aber noch ein weiterer Aspirant kam 2002 an der Erde vorbei.
Auch er war zwischen 200 - 500m groß und seine Entfernung betrug
830.000 km. Sie sehen daran, dass eine ungewöhnliche Häufung
dieser Beinahezusammenstöße vorliegt. Leider konnte bisher
noch niemand die Ursache hierzu genau feststellen.
Angenommen werden neuerdings keine gegenseitigen Störungen der Objekte
in der Oort´schen Wolke oder im Kuiper - Gürtel, und auch vorbeiziehende
Sterne werden ausgeschlossen, sondern galaktische Gezeitenwirkungen sollen
hierfür verantwortlich sein. Dies klingt sehr merkwürdig, da
die Kräfte der nahegelegenen Sterne sich stärker auswirken sollten,
doch diese bewegen sich vornehmlich mit unserem Sonnensystem um das galaktische
Zentrum. Allerdings bewegen wir uns z.Zt. mit unserem Sonnensystem in
Richtung Scheibenebene unserer Galaxie und diese Querungen der Ebene waren
stets mit Störungen im Sonnensystem verbunden. Achtmal in etwa 240
Millionen Jahren quert das Sonnensystem diese Ebene auf dem Weg um das
galaktische Zentrum. Also alle 30 Millionen Jahre. Derzeit befinden wir
uns 8 Grad nördlich der Scheibenebene. Mit der Querung sind magnetische-
und gravitative Einflüsse verbunden, die sich wohl störend auswirken
können. Wir werden darum sicher mit noch mehr Störenfrieden
rechnen müssen. Hoffen wie, dass möglichst alle an uns vorbeigehen.
Laut Statistik schlägt alle 1000 Jahre ein bis zu 100m großer
Bolide auf der Erde ein und alle 10.000.000 Jahre einer mit bis zu 1000m.
Aber was ist schon Statistik? Die Realität hat ihre eigenen Gesetze!
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